Wie es anfängt

Es kann mit einem wattig unklaren Gefühl im Kopf anfangen. “Wo war nochmal gleich…?”, ertappt man sich, nur um sich nach einigen Minuten zu versichern, dass man ja “schon noch weiss” wie der Projektstand in allen Kernprojekten des kleinen Unternehmens ist, wie die Kontenstände sind und „wann war noch mal gleich der Abgabetermin für das XYZ-Projekt, Ergänzung 3.0….“?

Was dann kommt, hat meist mit Reduktion zu tun: Reduktion von Schlaf, damit man noch mehr arbeiten kann als bisher, denn das glaubt man ja noch, dass man wirklich viel arbeiten muss um erfolgreich zu sein. Danach kommt meist die Reduktion von Kontakten, solange bis es zur “operativen Einsamkeit” kommt. Denn das glaubt man ja auch, dass “die Anderen” nur stören. Danach kommt es – meist sogar systematisch – zur Reduktion von Freizeit, selbst wenn man die bislang als äusserst “werthaltig” eingestuft und allen erzählt hat, dass man “das unbedingt braucht”. Man reduziert auch Bewegung und Sport und Familie und Freunde und Politik und Verein und Musik und der eigenen Vernunft und von Einkehr und Meditation und vielleicht sogar Gebet.

Und man ist eigentlich schon in allen Bereichen des Lebens von den “guten Strömen”, die unser Leben ausmachen abgeschnitten, wenn die “Wasser der Vernichtung” kommen, und sie kommen in Wellen: Rechnungen, die man immer weiter nach hinten “wiedervorlegt”, auch wenn im Grunde schon absehen kann, dass man sie nicht wird bezahlen können. Eine Welle von unguten Ablenkungen, die ganz kurzfristig “irgendeine” Entspannung bringen: Den dritten Whisky, das fünfte Bier, einen “privaten Film”, einen “erfolgreichen” Flirt mit einem wildfremden Menschen, eine beruhigende Pille, oder auch drei. Und Essen, essen im Übermass, weil man ja so müde ist.

Und überhaupt: niemand versteht einen mehr. Die Welt ist schlecht, jeder denkt nur an sich, “nur ich denke an mich”. Zu keinem anderen Mitleid mehr fähig als zum Selbstmitleid.

So kann es anfangen. Oder auch anders, zum Beispiel mit viel zu frühen Erfolgen, viel zu hohen Ausgaben, viel zu wenig Kontrolle, viel zu schlecht arbeitende Mitarbeiter, Kollegen, Beratern oder Kooperationspartner, viel zu teuren Autos oder Computern, und was noch alles Creditreform in Deutschland immer mal wieder als Gründe für unternehmerisches Scheitern listet.

Am Ende ist man nicht mehr die- oder derselbe. Ein Zerrbild seiner selbst. Man fühlt sich ständig so, als würde einen alle anderen insgeheim verspotten. Euphemistisch sage die Deutschen man sei „am Boden zerstört“, die Italiener sind da klarer „sono distrutto“, ich bin zerstört, bekennen sie dann meist mitleidheischend.

„Man“ fühlt sich an den „Jedermann“ erinnert, das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“, von Hugo von Hoffmannsthal. Man ist im „Elend“ (aus dem mittelhochdeutschen „ausserhalb der Dorfgemeinschaft“), und erntet – zumindest gefühlt – das Sterben, ohne je reich gewesen zu sein wie in dem Theaterstück, schlimmstenfalls – ohne wirklich gelebt zu haben – sieht man sich dem Untergang nahe.

Was jetzt? Wird es morgen noch ein Jetzt geben? „Man“ hat mit dem Interesse am morgigen Jetzt auch das Interesse an sich selbst verloren.

Man”, das ist in diesem Text “jedermann”, gleich ob Frau oder Mann oder Divers. Wenn aber “man” sich nun betroffen fühlt, dann wird es Zeit – Zeit für eine unterstützende Hand. Oder am besten gleich mehrere.

„Weg! Raus! Pause! Abstand!“ sagte der Cartoonist Tiki Küstenmacher einmal in seinem kleinen Büchlein „Tiki contra Stress“. „Einfach wegfliegen“. Meine Erfahrung: Hol Dir Hilfe, eine verlässliche Hand. Eine die zu einem Menschen gehört, der weiss, wovon Du sprichst.

Es kann (aber MUSS bei weitem NICHT!), dass Du alles verlierst. Es kann aber auch sein, dass ein gut abgestimmter Massnahmenkatalog hilft, die „Dinge wieder ins Lot“ zu bringen.

Eines aber ist sicher: Am „Grunde des tiefen Sees“ wird es alleine nicht weitergehen. Ein erster Kontakt mit uns kostet nur „einen Klick“.

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