Klaus und… die Angst

Klaus hat Angst. Das ist schwierig als Unternehmer. Doch Klaus hat schon lange Angst, nicht erst die 26 Jahre, die er seinen Schlosserei-Betrieb leitet.

Klaus hat vor allem Angst, wenn er etwas nicht versteht. Und Vieles, was er hört, geht ihm einfach zu schnell. Abstrakte Begriffe sind ihm ein Gräuel, Bilder gehen schon besser. Aber mit Drehmomenten, Scherkräften und Materialkonstanten kennt er sich aus. Und er sieht schon an der Farbe eines Metallstücks, wie es behandelt wurde. Er fühlt mit dem Werkstück.

Klaus selbst ist stark, stark wie Stahl, aber eben nur physisch, nicht in seiner Seele. Er ist ein toller Schlagzeuger, und ein «Tambour», also ein Trommler. Klaus ist auch geduldig, und im Grunde sehr gutwillig, er geht vor allem mit Kunden immer «eine extra Meile». Klaus hat grosse Qualitäten.

Aber wenn Klaus Angst bekommt, dann wird es dunkel um ihn. Er könnte genauso gut die Augen schliessen, wenn ihm jemand Angst macht. Im Stillen hofft er, dass «es», das was ihm Angst macht, einfach vorbeigeht.

Doch die Angst lähmt ihn, und er verfällt dann in eine Art willfähriger Entscheidungs-Starre: Damit «es» vorbeigeht, macht er einfach, was diejenigen, die ihm Angst gemacht haben, sagt.

Das ist fatal.

Und so hat er die vergangenen zehn Jahre immer wieder Tiefschläge erlebt. Menschen nützen ihn aus, er ist mehrfach nahe am Burnout, und er verzweifelt an sich und am Leben. Und der Himmel scheint eine Ewigkeit weit weg, hinter den Wolken, die immer dunkler werden.

Immer wieder begegnen wir uns, in den letzten zwölf Jahren. Und wenn wir etwas zusammen machen, hat Klaus nicht mehr so viel Angst. Als wir uns das letzte Mal begegnet sind, hatte er seinen Betrieb aufgegeben, und geschäftlich hätte er am liebsten «Selbstmord» begehen: Er wollt Konkurs «machen».

Aber er hat etwas sehr Gutes gemacht: Er ist in eine grosse Schlosserei als Projektleiter eingetreten und bezieht jetzt ein festes Gehalt. «Das mit der Angst», das macht jetzt sein Chef.

Auch eine Lösung.

Manche vertreten – zurecht, denke ich – die Meinung, Angst sei etwas sehr Wichtiges. Dr. Volker Mauck zum Beispiel. Das glaube ich auch.

Mir scheint aber, das Wichtige ist, dass man nicht genau vor dem Angst hat, womit man sein Leben verdient. Und ich schliesse mal mit einer typisch Schweizer Frage: Oder?

Mein Linkedin-Account: Martin Natterer | LinkedIn

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