Klaus und… die Zeit

Klaus macht es immer wieder möglich. Wenn sein Gegenüber etwas möchte oder Klaus sich gedrängt fühlt, etwas zu tun, dann ist er da. Wenn es sein muss, um 6 Uhr in der Frühe. Er schlossert, er hämmert, er zeichnet, organisiert und verspricht. Und er selbst hat den Eindruck, stets die richtigen Dinge zu machen.

Was Klaus aber nicht immer gelingt ist, Zusammenhänge vollständig wahrzunehmen. Und damit fällt es Klaus schwer, Dinge, für die er verantwortlich ist, richtig oder wenigstens im Kern richtig zu machen.

Ein Beispiel, das wirklich so vorkam: Klaus hatte einen Zaun dreimal vermessen, und am Ende stimmte doch noch «irgendetwas» nicht. Beim Nachforschen stellte sich heraus, es war ein einfacher Zahlendreher beim Notieren der Messergebnisse. Da nützt auch kein Lasergerät. Diese eigenständige Wahrnehmungsweise überträgt sich im Leben von Klaus auch auf wichtige geschäftliche Grundlagen: Von manchen Verträgen, die er sich gezwungen fühlte zu unterschreiben, verstand er «weniger als die Hälfte» (seine eigenen Worte).

Klaus hat sich nie die Zeit genommen, vermute ich, die Dinge in Ruhe wahrzunehmen, wie sie sind… «immer vorwärts», «immer arbeiten» war die Devise. Klingt gut, schafft aber auch teils erhebliche Probleme.

Es ist Klaus’ Umgang mit der Zeit. Nach langem Überlegen meine ich, es ist ein Konflikt in den leitenden Handlungsmustern, ein Paradigmenkonflikt: Das gedrängte «Pünktlich-Sein», das stetige «Verfügbar-Sein» ist keine Tugend an sich. Gerade für Unternehmer muss es oft lange Phasen der Vorbereitung geben, lange Phasen, in denen wir ein meist hoch qualifiziertes «Bereit-Sein» aufbauen, eine Art Vorbereitungsstruktur, die wir dann spontan und fast improvisiert abrufen können.

Pünktlich-Sein nützt wenig, wenn ich dann nicht auch fähig bin, sagen wir die Gunst des Moments in qualitativ Verlässliches umzusetzen.

Unternehmer-Sein braucht Vorbereitung, Disziplin, Ausbildung. Dafür müssen wir immer wieder Zeit unseres Lebens investieren. Zeitplanung ist Lebensplanung, nicht nur das Abarbeiten einer Agenda.

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