Balance halten

Es ist eine wahre Geschichte. Auch, wenn man – hätte man sie erfinden müssen – nie erfunden hätte, so unrealistisch muss sie einem erscheinen. Und vielleicht wäre sie heute, gut 25 Jahre später, so nicht mehr möglich. Aber so skurril, bis an den Rand des Tragischen, kann der Verlust von Balance und Augenmass sein.

Die damaligen Ereignisse haben mir aber den Mut gegeben, Unternehmen und Organisationen auch heute wieder eine “Wende” anzubieten, einen Turnaround. Der Kontakt: natt.works – Die Wiederherstellung von Unternehmerinnen und Unternehmern (nattworks.ch) .

Was war damals Entscheidendes passiert? In einem grossen deutschen Bundesland, in einer der wichtigsten Städte des Landes, war eine Bildungseinrichtung entstanden (Namen und Orte sind leicht verfremdet), in der über 500 Studentinnen und Studenten von über 30 Lehrkräften unterrichtet wurden. Die Einrichtung war gemeinnützig, erfolgreich und renommiert. Man wuchs und wuchs, und bald entstand in Vorstand und Verwaltungsrat die Überzeugung, man brauche neue Unterrichtsgebäude.

Die raren Mittel (man finanzierte sich einem erheblichen Teil aus Spenden und staatlichen Zuschüssen) standen aber in erheblicher Disproportionalität zu den hochfahrenden Visionen der Protagonisten. Zudem war kaum jemand ein nüchterner Blick auf die finanziellen Grundgesetze gegeben. Kurz: Man plante in den luftleeren, aber ideen-schwangeren Raum eine 35-Mio-DM-Ausbildungsstätte. Ein Rennen gegen die Realität war gestartet.

Start einer der Vorläufe an der Kieler Woche.

Da auch imaginierte Gelegenheiten echte Diebe auf den Plan rufen können, liess ein solcher nicht lange auf sich warten. Ein später verurteilter, auf gemeinnützige Einrichtungen dieser Art spezialisierter Betrüger entlockte dem mental «dis-balancierten» Vorstand eine erhebliche Summe unter dem Vorwand, in Südasien die Finanzierung der gesamten 35 Mio. auftreiben zu können. Er müsse nur – wörtlich – als «Stütze der Glaubwürdigkeit» eine «ausreichende» Hinterlegungssumme leisten, der Rest «ginge leicht».

Der Fehlwahrnehmungen war jedoch kein Ende, und so wurde nicht ein formeller Beschluss des Verwaltungsrates herbeigeführt, sondern zwei der drei Vorstände hoben etwas mehr als DM 220.000 in bar vom Konto der Einrichtung ab, verpackten sie «schulbuchmässig» (wie passend) in einen Alukoffer und zogen zum nächsten internationalen Flughafen, wo sie das gesamte Geld dem unlauteren Betrüger ohne jeden Beleg in die Hand gaben.

Im «sicheren» Gefühl – und was ist so sicher wie eine völlig realitätsfremde Phantasie! – einen Jahrhundert-Coup gelandet zu haben, beauftrage man auf der Basis der deutschen HOAI («Honorarordnung für Architekten…») ein grosses Büro mit den Vorplanungen. Die «paar Prozent», die das Kosten würde, sollten ein Kinderspiel sein… Allerdings waren die geschätzten Kosten rund 35 Mio, das vergass man schnell.

Es kam, wie es kommen musste. Das Geld war nach dem Verschwinden des Betrügers nicht völlig weg, aber es war derart «woanders», dass man es nie wieder sah.

Aber Vorsicht in der Beurteilung: Dies war KEIN Einzelfall, man glaubt es kaum! Der Mann hatte über 30 gemeinnützige Einrichtungen an ihrem wundesten Punkt erwischt: an einer verträumten Naivität, die sich gepaart hatte mit dem illusionären Verständnis, der gute Wille genüge für grosse Aufgaben. Die «Fähigkeiten» hätten dann ja schon die, die man dafür bezahlt, die «Fachleute». Es ist dies eine Art «frömmelnde» Anmassung, der ich in meinem Leben oft begegnet bin, bei «den Wölfen, wie bei den Schafen».

Wenn ich mich recht erinnere, sass der verantwortliche Betrüger dann etwas später über 10 Jahre in einem Landesgefängnis. Das Geld war völlig weg, nicht nur woanders. Der Schaden war immens. Aber die Mitverantwortlichen wurden von ihrer «Peer Group» gedeckt, es hat ja keine Bereicherungsabsicht bestanden, sagte man. Ich hatte damit Mühe.

Meine Rolle: Turnaround managen

Man rief mich dazu, als das Kind gerade in den Brunnen gefallen war. Ich sollte «den Schaden in der Öffentlichkeit» begrenzen. Das «mit der Öffentlichkeit» war damals mein Beruf, und man vertraute auf meine Kontakte.

Der erste Blick in die Bilanz und erst recht das erste Gespräch mit der Hausbank der Einrichtung belehrten mich aber in mancherlei Hinsicht eines Besseren: Die von einer renommierten Steuerkanzle «attestierte» Bilanz wies erheblich Fehler auf, der grösste davon war – unglaublich, aber wahr! – das völlige Fehlen der letzten Inventurergebnisse: Die Bilanzsumme war viel zu kurz, die Einrichtung «arm gerechnet». Die Bank kündigte wegen akuter Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu Recht fristlos sämtliche Kreditlinien.

Das Problem lag nicht in der Öffentlichkeit. Das Problem lag zuhause. Was tun?

Es wurde einer meiner ersten Fälle. Gegen die Übernahme einer Leitungsverantwortung (Vizepräsident des Verwaltungsrates) übernahm ich die Sache: Innert zwei Wochen wurde neu bilanziert und der Bank eine Zusage abgerungen, den grössten Teil der bisherigen Kontokorrentlinien in langfristige Darlehen – gegen Verhaltens-Auflagen – umzuwandeln. Davon war die wichtigste Auflage die, eine monatliche (!) Bilanzierungsvorschau zu erstellen (mein Vorschlag), die wir zu zweit jeweils für die kommenden 13 Monate erstellten. Damit wurde der hohen Abhängigkeit von Aussenmitteln (Spenden, Staat) Rechnung getragen und den Investoren (Bank und Spendern) ein belastbares Gefühl für die Liquidität der Einrichtung in den kommenden 13 Monaten gegeben.

Der zweite Schritt war der sofortige Prozessbeginn gegen das Architektenkonsortium, das mit – schweizerisch gesagt – einer völlig «überrissenen» Planung die offensichtliche Naivität der Protagonisten auszunützen versucht hatte. Ich unterstellte zudem – glaubhaft – eine rechtswidrige Bereicherungsabsicht. In einem gerichtlichen Vergleich honorierten wir die de facto geleisteten Arbeiten (obwohl sie für den Papierkorb waren) und «sparten» rund DM 500’000. Auf einen Schlag.

Hart am Wind segeln

Man kann das von aussen alles kaum glauben, aber ziemlich genau so war es. Stimmt: Man kommt u.U. sehr schnell vorwärts, wenn man «hart am Wind» segelt, und wer den Fast-Rausch dabei kennt, der weiss, wovon ich rede.

Aber das sich bei dem «Hart-am-Wind-Segeln» einstellende Gleichgewicht ist hoch-labil, es ist alles andere als statisch, sondern extrem dynamisch. Und es kann, unter schlechten Bedingungen oder bei operativen Fehlern, in Sekunden zusammenbrechen.

Beide, Hart-am-Wind-Kurse als auch (wie hier) «Raumschot-Kurse» bergen beim Segeln Gefahren, denen unter Umständen in Sekunden begegnet können werden muss.

Es geht manchen Organisationen und vielen KMUs so: Das meiste macht man in der Sache und im Alltag «richtig», aber man macht nicht immer die «richtigen Dinge»: Zu leicht verliert man dann die Balance, und das meist gar nicht aus Gutgläubigkeit und Ahnungslosigkeit wie in dem zitierten Beispiel.

Sondern «man überreisst». Ob das aus Angst oder aus Überheblichkeit geschieht, ist letztlich gleichgültig. Man hat oft zu wenig Routine und «schätzt den Wind falsch ein»… Dass das schwer ist, und dass der «Wille nach vorne» oft grösser ist als die Steuermannsfähigkeiten («Balance halten»), das habe ich bei Vielen, und auch in «bösen Zeiten» bei mir selbst erlebt.

Aber es ist letztlich das, so scheint mir, das, worum es geht. Man kann alles «auf Erfolg» trimmen, aber man muss das, was daraus entsteht, auch aushalten.

Meine Leistungen heute

Wie man sich bei «starkem Wind» verhält, das lernt man nur “theoretisch” in der Segelschule. Das Können kommt aber aus der Praxis, und in der Praxis auch aus der Erfahrung der eigenen Reaktionsmuster, aus dem Nachdenken. Vor allem aber kommt es aus der Kenntnis der Marktgegebenheiten und der “Mitspieler”.

Um die aber kennenzulernen, braucht es viel weniger «lonely rider experience» als man denkt. Man braucht recht viel Feed-Back von anderen, es braucht Beziehungen, gelebte, offene, starke Beziehungen. Und eine erhebliche Portion Sachkenntnis.

Und wenn man die nicht in seinem Umfeld und bei sich selbst verlässlich und sicher hat (das gibt es aber schon!), dann kann man sie auch kaufen. Nicht als «Produkt», aber als das Wagnis des gemeinsamen Arbeitens, des gemeinsamen Dazu-Lernens und des sich auch einmal öffentlich Korrigieren-Lassens.

Genau das biete ich an.

Und so kann man mich erreichen, wenn man eine Wende (oder «Halse», je nach Lage zum Wind) einleiten will: natt.works – Die Wiederherstellung von Unternehmerinnen und Unternehmern (nattworks.ch) . Ein Erstgespräch ist immer kostenlos. Und meist auch dann nicht «umsonst», wenn es nicht zu einem Auftrag kommt.

Von ruhigen Häfen aus, kann man genau zum richtigen Zeitpunkt zu grossen Abenteuern starten. Bild: Hafen bei Pully (VD).

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