Klaus und … die Ordnung

Als ich Klaus (den Schlosser, von dem ich schon öfter erzählt habe) das erste Mal sah, zeigte er mir seinen Betrieb: Überall waren Haufen, Haufen mit Akten, Haufen mit Ersatzteilen, Haufen mit Material, Haufen mit Metall (zugegeben, so schlimm wie auf dem Bild war es nicht ganz). Und überhaupt: Auch er war das sprichwörtliche Häufchen Elend.

Ich fragte Klaus beiläufig, wo die Geschäftsbücher der letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahre wären, und er deutete von seinem Schreibtisch aus, auf dem sich die Dinge auch haufenweise stapelten, nach Nord-Ost. Genau gelesen: Seine Auskunft war geografisch, wie bei einem Orientierungslauf, und «etwa 20 m Richtung Nord-Ost» sollte das heissen. Über 600 qm Geschäftsfläche waren mit Haufen gefüllt. Selbst er fand nicht gleich, was er suchte. Und dann nicht alles.

Schon jetzt wusste ich – aus Erfahrung – wie es weitergehen würde. Gar nicht.

Es geht bei Ordnung aber nur an allerletzter Stelle um Moral. Ein Unternehmen ist ohne Ordnung kein Unternehmen. Und zumindest im deutschen Handelsgesetzbuch ist dies derart explizit ausgedrückt, dass man es leicht überliest: Das «Gewerbe» ist erst dann ein Gewerbe, wenn es «einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert». Die Grundsätze sind im deutschen HGB § 1 Abs. 2 geregelt, die Realität ist ein wenig komplizierter, und schliesslich entscheidet das Gesamtbild.

Aber eines ist sicher: Ohne Ordnung in den Grunddingen eines Geschäfts (als da wären: kaufmännische Buchführung, Bilanzerstellung, Aufbewahrung von Belegen und der Geschäftskorrespondenz, Inventur sowie das Einhalten der GOBs) ist das kein «rechtes» Unternehmen.

Bei solcherlei Ordnungsanforderung geht es um die Rechtsgrundlage eigener und fremder Ansprüche. Die Juristen mögen mich korrigieren, aber was die Geschäftsprozesse angeht, geht es bei beim «Ordnung-Halten» im Kern um Recht, Geld und die Erbringbarkeit von Leistungen. Und nur abgeleitet um Moral.

Schnell kam ich zu dem Schluss, dass Klaus gut ein Jahr brauchen würde, um die erforderliche Ordnung herzustellen, und mehrere Hunderttausend CHF um sein Leben und die damit verbundenen Aufwände zu bezahlen. Und obwohl zu diesem Zeitpunkt nicht überschuldet und liquide war, kam ich zu dem Schluss, dass diese Schlosserei ein Liquiditätsfall sei.

Allerdings war sie kein Insolvenzfall, oder sehe das die Juristen anders? – Und wie wir dann eine Lösung skizziert haben, und warum sie funktionieren kann, das erzähle ich gerne in ein paar Wochen. –

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